Fischarten im Porträt
Hier werden im Folgenden verschiedene Fischarten porträtiert, die ich bereits im Aquarium pflegen und zum Teil nachziehen konnte.
Apistogramma commbrae (REGAN, 1906)
Ökologie
Apistogramma commbrae kommt in den Subtropen Südamerikas vor in den Einzugsbereichen des Rio Paraguay in den Ländern Bolovien, Brasilien, Paraguay und Argentinien. Wolfgang Staeck beobachtete die Art mehrfach im Einzugsbereich des Rio Cuiabá (Brasilien) und in dem Seitenarm des Canal do Tamengo bei Corumbá bei leicht bräunlichem, aber klarem Wasser, pH 7,2; <1,5°dGH, <4°dKH sowie 25°C Wassertemperatur im August 1991. Uwe Werner beobachtete die Art im brasilianischen Pantanal, südlich von Cuiabá und fing, ähnlich wie Körber, Apistogramma commbrae gemeinsam mit Apistogramma borelli
Systematik & Morphologie
Apistogramma commbrae gehört innerhalb der Gattung Apistogramma zur Apistogramma-regani-Gruppe und bildet einen eigenständig Komplex innerhalb dieser Gruppe. Dem Apistogramma-commbrae-Komplex gehören neben A. commbrae noch A. inconspicua und A. linkei an. Alle drei Arten haben einen Schwanzfleck am Schwanzstiel der Schwanzflosse gemeinsam. Apistogramma commbrae bleibt mit einer Länge von 5-6 cm eher klein und gehört zu den langsamwachsenden Apistogramma. Juvenile Tiere sind erst nach 8 bis 10 Monaten geschlechtsreif. Apistogramma commbrae zeigt keinen so stark ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus wie bspw. Apistogramma borelli. Männchen sind in der Regel etwas größer, weisen spitzer und länger ausgezogene Rückenflossen auf. Zudem zieren leuchtend blaue Maserungen und rote Flecken die Kiemendeckel der Männchen. Neben dem stark ausgeprägten Schwanzfleck zeigen die Tiere 4-6 laterale schwarze Flecken, die je nach Erregungszustand zu einem einheitlichen schwarzen Längsstreifen verschmelzen können. Hinzukommen je nach Erregungszustand 2 bis 3 schwarze Unterbuchstreifen. Während der Brutpflege färben sich die sonst eher unscheinbaren Weibchen gelb und zeigen einen durchgängigen schwarzen Längsstreifen. Namensgeber der Art ist die Großstadt Corumbá in Brasilien, die nahe an der Grenze zu Bolovien liegt. Regan übernahm den Namen aus einem Manuskript von Eigenmann, jedoch schien Regan sich verlesen zu haben, denn Eigenmann nannte die Art korrekterweise Apistogramma corumbae (Corumbás Zwergbuntbarsch).
Haltung & Nachzucht im Aquarium
A. commbrae wurde bereits im Jahre 1906 nach Deutschland importiert und hier in Aquarien gehalten. Die Art entpuppte sich sehr schnell als pflegeleicht und unproblematisch. Auch die Nachzucht stellt keine große Herausforderung dar. Heutzutage findet man A. commbrae nur selten im Handel. Wahrscheinlich weil es keine stabilen deutschen Nachzuchtstämme wie z.B. bei A. borelli gibt, seltener aus den weniger artenreichen Subtropen Südmamerikas Fische exportiert werden und weil die Art im Vergleich zu A. borelli etwas unscheinbarer aussieht. Dennoch schafft A. commbrae es ab und zu noch als Beifang in die Händlerbecken und wird auch von Privatleuten nachgezogen.
A. commbrae lässt sich problemlos in kleinen Aquarien halten (60x30x30 cm). In einem solchen 54 Liter Standard-Becken pflegte ich zunächst meine Gruppe bestehnd aus 6 Tieren, die ich im Februar 2018 kaufte. Als die Tiere im darauffolgenden Jahr größer und mittlerweile geschlechtsreif waren, hielt ich die Tiere über die Sommermonate (Juni bis September) in einer Mörtelwanne (Abmessungen etwa 80x40x40 cm). In der Mörtelwanne lebten die Tiere nicht auf Sandboden, sondern Mulm. Als Laichhöhle dienten umgedrehte Tontöpfe mit einem Loch auf der Bodenseite (Durchmesser etwa 2 cm). Im Hochsommer laichten die Tiere erstmals in einem solchen Blumentopf ab, jedoch kamen keine Jungen hoch. Als die Temperatur in der Mörtelwanne gegen Ende September immer weiter sank und nachts einstellige Temperaturen drohten, holte ich die Fische rein. Im Zuge dessen zogen die Tiere direkt in ein größeres Aquarium mit den Maßen 100x60x40 cm (LxBxH) [=240 Liter] ohne weiteren Beibesatz. Als Bodengrund brachte ich lediglich ein bisschen Sand ein, der nur 1/3 des Bodengrunds bedeckte. Kurzerhand entschloss ich mich den gesamten Inhalt der Mörtelwanne aus dem Garten in das Aquarium zu kippen. Da die Mörtelwanne vor bzw. unter einer Bambushecke (Pseudosasa japonica) stand, bestand der Mulm vor allem aus sich zersetzenden Bambusblättern. Da in der Literatur immer wieder beschrieben wurde, dass die Tiere in dicht verkrauteten Uferzonen leben, brachte ich eine große Portion Moos ein und einige Zweige einer Korkenzieherweide. Ebenso ragten die Wurzeln einer Monstera in das Aquarium. Die Wasseroberfläche war von einer dichten Decke aus Muschelblumen und Salvinia bedeckt. Aus einer Schaumstoff-Unterlegmatte schnitt ich ein Oval und nutzte dies als Begrenzung der Schwimmpflanzendecke, um genügend Licht für das Moos durchkommen zu lassen.
A. commbrae hat ein enorm großes Verbreitungsgebiet in den Subtropen Südamerikas in den südlichen Ländern, ähnlich wie A. borelli. Wie alle subtropischen Fischarten benötigt auch A. commbrae schwankende Wassertemperaturen. Hält man die Tiere dauerhaft zu warm, verkürzt sich ihre Lebenserwartung, die Tiere stehen weniger gut laichen seltener ab. Im Sommer erreicht die Wassertemperatur 28 - 30°C, im Winter fällt sie auf etwa 17°C ab. Besonders einsetzende Wärmeperioden animieren die Tiere zur Fortpflanzung. Dabei übernimmt nur das Weibchen die Brutpflege, das Männchen beteiligt sich in keiner Weise an der Aufzucht der Jungen. Die Tiere leben bei mir von Anfang an in recht hartem Wasser (21^dGH & 18°dKH) bei pH 7,5.
Etwa zwei Dutzend A. commbrae unterschieldicher Altersklassen leben in einem Altwasserbecken. Nach dem Umzug der Tiere in das 100x60x40 cm Becken habe ich keinen Wasserwechsel mehr durchgeführt. Ich fülle lediglich verdunstetes Wasser auf (mal mit Regenwasser, mal mit Leitungswasser). Wichtig scheint der verkrautete Charakter des Aquariums zu sein. Das Verhältnis von Fischmasse, Pflanzenmasse, Mulm und Wasservolumen funktioniert offensichtlich sehr gut und läuft sehr stabil. In dem Aquarium leben auch Kleinstlebewesen wie Hüpferlinge. Besonders die juvenilen Tiere sieht man häufig unter bzw. in der dichten Schwimmpflanzendecke lauern.
Literatur
Koslowski, I. (2001) Die Buntbarsche Amerikas – Band 2 Apistogramma & Co., Ulmer-Verlag (DATZ-Aquarienbücher), Stuttgart
Staeck, W. & Linke, H. (2006) Amerikanische Cichliden I – Kleine Buntbarsche – Ein Handbuch für Bestimmung, Pflege und Zucht, Tetra-Verlag, 8. Auflage, Berlin-Velten
Biotoecus opercularis (STEINDACHNER, 1875)
Ökologie
Biotoecus opercularis stammt aus den Tropen Südamerikas und ist dort im Norden Brasiliens beheimatet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den Amazonas und den Rio Negro. Die Tiere wurden bspw. im Rio Trombetas gefangen sowie in einem Schwarzwassersee in der Mündungszone des Rio Sanabani. Biotoecus opercularis wurde in der Natur gemeinsam mit Dicrossus filamentosus beobachtet und kommt quasi ausschließlich in Schwarzwasser-Habitaten vor. Stawikowski und Werner sahen Biotoecus opercularis in klarem bräunlichem Wasser der Lagoa Tapagem im Einzugsgebiet des Rio Trombetas sowie in einem Ufersee des Rio Cuminá-Mirim bei pH 6; <1°dGH & dKH und 33°C Wassertemperatur. Auch im Rio Tapajos wurde die Art gefangen. Biotoecus opercularis wird vor allem auf sandigem Untergrund gefunden, den er ständig auf der Suche nach Nahrung durchwühlt. Der deutsche Trivialname von Biotoecus opercularis lautet daher Sandhügel-Cichlide.
Systematik & Morphologie
Biotoecus opercularis gehört der Familie Cichlidae, der Unterfamilie Cichlinae und dem Tribus Crenicaratina, dem auch die Gattungen Crenicara, Dicrossus sowie Mazarunia angehören, an. Der Gattung Biotoecus gehört noch eine weitere Art an: B. dicentrarchus (KULLANDER, 1989). Biotoecus opercularis wird 4 – 5 cm groß, wobei Weibchen kleiner bleiben als Männchen, und zählt damit zu den wahren Zwergen unter den Zwergbuntbarschen. Biotoecus besitzen langgestreckte Körper und einen deutlich langgezogenen Schwanzstiel. Biotoecus opercularis besitzt einen gräulichen pastellfarbenen Grundfarbton auf dem sich schillernde blaue Punkte zeichnen. Die Flossen besitzen einen rötlichen Saum und ebenfalls blaue und gelbe leuchtende Punkte. Auch der Kiemendeckel (Operculum) ist von blauen Tüpfeln besetzt. Laut Warzel beziehen sich (fast) alle Nachzuchtberichte auf eine spezielle Standortvariante von Biotoecus opercularis: Biotoecus sp. aff. opercularis „Oberer Rio Negro“. B. opercularis zeigen einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus. Männchen sind grundsätzlich größer, schlanker und besitzen spitzere Brust-, Rücken- und Schwanzflossen, die sich beinahe schon fadenartig ausziehen. Weibchen besitzen einen runderen Bauch, der sich insbesondere während der Balz rosa färbt.
Haltung und Nachzucht im Aquarium
Eine Gruppe von 5 jungen B. opercularis Wildfängen saß recht unscheinbar in einem Verkaufsbecken bei Thomas Tillmann. Die Tiere standen eng beieinander und sahen zunächst recht farblos ja fast schon trist aus. Was aussieht wie ein unscheinbarer Beifang ist jedoch eine der schönsten Zwergbuntbarscharten die es gibt.
Ich pflegte die Gruppe bestehend aus fünf Tieren zunächst in einem 100x40x50 cm (LxBxH) großen Aquarium (200 Liter). Das Aquarium wurde mit Sand befüllt, enthielt strukturgebende Mangrovenwurzeln, Eichenlaub, einige Nussschalen und Blumentöpfe als Höhlen, einige auf Lavagestein aufgebunde Javafarne sowie Wurzeln einer Efeutute. Bereits nach wenigen Tagen bildete sich ein Pärchen, welches die freie Sandfläche für sich beanspruchte und vehement gegen die drei restlichen Artgenossen verteidigte, welche fortan im Unterholz leben mussten. Schnell zeigte sich die hohe innerartliche Aggressivität dieser Art. Rückblickend betrachtet war das Aquarium zu offen gestaltet und hätte mehr strukturgebende Sichtschutzelemente in der Beckenmitte benötigt.
Das Pärchen balzte und bereitete einen umgedrehten im Sandboden steckenden Blumentopf als Bruthöhle vor. Nach wenigen Tagen jedoch verlor das Weibchen das Interesse und nach ein paar vergebenen Versuchen des Männchens sie zurück in die Höhle zu locken. Bereits zwei Monate nach dem Einzug kam es zu heftigen Revierstreitigkeiten zwischen zwei Männchen und das bisherige Alphatier wurde durch ein kleineres Männchen zurückgedrängt.
Nachdem das neue Alphamännchen sein Revier verteidigt und bezogen hatte, balzte dieses ebenfalls mit dem Weibchen. Das Balzverhalten von B. opercularis besteht darin, dass sich Männchen und Weibchen gegenseitig präsentieren und gemeinsam in einem Kreis schwimmen. Das Männchen stellt die Flossen auf und spreitzt die Kiemendeckel. Das Weibchen hebt den Schwanzstiel an und präsentiert den rosafarbenen Bauch.
Als Laichhöhle haben sich umgedrehte Tontöpfe bewährt. Diese werden schräg mit einer Flex angesägt und entsprechend Schräg in den Sand gesteckt. Diese Tonhöhlen können ruhig tief im Sand versenkt werden, sodass die Tiere sich die Höhle selbst freigraben müssen. Obwohl sie in anderen Erfahrungsberichten empfohlen wurden, interessierten sich meine Tiere nicht für Kokosnussschalen. Die Männchen übernehmen die Vorbereitung der Bruthöhle. Sand wird aus der Höhle getragen und der Vorplatz der Höhle wird geebnet. Wenn das Männchen fertig mit dem Ausheben der Höhle ist, lockt es das Weibchen zur Eiablage in die Höhle. Anschließend verteidigt das Männchen die Höhle von außen, während das Weibchen zur Brutpflege in der Höhle verbleibt.
Jungfische konnte ich leider nie beobachten, trotzdem balzten die Tiere regelmäßig und verschwanden in der Höhle. Nach erneuten heftigen Revierstreitigkeiten musste ich ein totes Männchen sowie ein Weibchen herausfischen. Die innerartliche Aggressivität unter B. opercularis ist wirklich hoch. Während sich die nah verwandten Dicrossus filamentosus auf dieser Grundfläche problemlos als Gruppe halten lassen, ist die Gruppenhaltung von B. opercularis anscheinend eine Herausforderung. Nachdem ich nun nur noch drei Tiere hatte, zogen diese in ein kleineres Aquarium mit einem Volumen von 100 Litern und den Maßen 80x30x40 cm (LxBxH) um. Auch dort balzte das Pärchen regelmäßig und bereitete ab und zu einen umgedrehten Tontopf vor. Auch hier konnte ich nie Jungfische beobachten.
Meine B. opercularis schwammen in Erftstädter Leitungswasser (GH 21°dH, KH 18°dH) bei pH 7,5 und 28-29°C Wassertemperatur. Ursprünglich kommt die Art aus Schwarzwasser-Habitaten, jedoch kann man die Tiere ganz offensichtlich hervorragend in härterem & alkalischerem Wasser halten, was prinzipiell den osmotischen Druck senkt (siehe dazu Ausführungen in meinem Schwarzwasser-Artikel). Ich habe auch mit den Wasserwerten gespielt und saures, weiches Wasser hergestellt mittels eines Kationentauschers. Jedoch konnte ich keine Verbesserung erkennen. Lediglich für die Nachzucht könnte eine geringere Wasserhärte bzw. Ionenstärke und/oder ein niedrigerer pH-Wert von Nöten sein.
Biotoecus opercularis zählen zu den für meinen Geschmack schönsten und interessantesten Zwergbuntbarschen. Aus den grauen Mauerblümchen im Händlerbecken wurden glänzend schillernde Tiere mit sehr interessantem Charakter. Untereinander sind diese Zwergbuntbarsche wirklich ruppig, das musste ich auf die harte Tour lernen. Da mir die Nachzucht von B. opercularis nicht gelungen ist, werde ich mich irgendwann nochmal dieser Art widmen. Dann werde ich die Tiere jedoch direkt auf einer deutlich größeren Grundfläche halten (bspw. 140x60 cm) und unterschiedliche freie Sandflächen voneinander klarer abgrenzen.
Literatur
Staeck, W. & Linke, H. (2006) Amerikanische Cichliden I – Kleine Buntbarsche – Ein Handbuch für Bestimmung, Pflege und Zucht, Tetra-Verlag, 8. Auflage, Berlin-Velten
Stawikowski, R. & Werner, U. (2004) Die Buntbarsche Amerikas – Band 3: Erdfresser, Hecht- und Kammbuntbarsche, Ulmer-Verlag (DATZ-Aquarienbücher), Stuttgart